DAZ vom 12.05.2005

Rund um Waldheim eine Nelken-Art für jede Tageszei


Naturfreunde forsten Orchideen in freier Natur auf

Waldheim. Sie heißen geflecktes Knabenkraut, Herzzweiblatt oder Blaßes Waldvöglein und gedeihen in unmittelbarer Umgebung von Waldheim. Es handelt sich um in freier Natur wachsende Orchideen. Der Waldheimer Kurt Böhm, Leiter der Intereßengemeinschaft Flora und Fauna des Vereins der Heimatfreunde, weiß darüber bestens Bescheid.

"Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?" - Getreu dem Leitsatz begaben sich die Wander- und Naturfreunde am Sonnabend mit Kurt Böhm auf Schusters Rappen in die Umgebung der Zschopaustadt. Auf der Suche nach botanischen Kostbarkeiten oder Besonderheiten aus dem Reich der Tiere besuchen die Mitglieder der Interessengemeinschaft sonst auch Tiergehege und Zoos, botanische Gärten und Parks in der weiteren Umgebung. "Elfmal im Jahr sind wir geimeinsam unterweg", so Böhm. Ende Mai wollen sie sich in Chemnitz giftige Buntfrösche ansehen. Am vergangenen Wochenende trafen sie sich auf dem Obermarkt von Waldheim.
Gleich am Startpunkt der Wanderung hielt Naturfreund Kurt Böhm eine Kostbarkeit bereit: Von einem Süßwasserschwamm hatte er ein Trockenpräparat gefertigt. Der ist in der Hierachie der Tierwelt zwischen Ein- und Vielzellern angesiedelt und ähnelt einer Koralle - lebt aber in der Talsperre Kriebstein. Doch waren die IG-Mitglieder eher auf botanische Besonderheiten in Waldheim aus. Böhm: "Wir wollten sehen, was jetzt so alles blüht." Um Waldheim herum gebe es allein sieben verschiedene Nelkenarten. Mit der obligatorischen Roten, deren Abbild am Maifeiertag ans Revers gesteckt wurde, hätten die meisten keine ähnlichkeit. "Da muß man sich die Blüte genau anschauen, um zu erkennen, was man vor sich hat." Zumindest scheint es für jede Tages- und Nachtzeit eine Nelke zu geben: die Rote Taglichtnelke, die Weiße Nachtnelke, und für finsterste Nächte bei Neumond sogar die Pechnelke.
Auch Orchideen seien hier heimisch, freut sich der Naturfreund, doch sei dies mit Mühen für die Interessengemeinschaft verbunden gewesen. Einige dieser hier ursprünglich beheimateten Pflanzen seien verschwunden und in den vergangenen Jahren erst wieder "ausgesetzt" worden, wie es Böhm formuliert. "Um heimische Bestände aufzufrischen, arbeiten wir eng mit dem Naturschutzverein NABU zusammen."
Damit die Vorkommen von den Wasseramseln und Knabenkraut oder seltener Mineralien wie Prismatin unangetastet bleiben, solle das Wissen über ihr Vorkommen einem kleinen Kreis vorbehalten bleiben, die damit sensibel umgehen.

Steffi Robak