DAZ vom 17.11.2006

Mal wieder daheim


Waldheim (sro). Sein Vater schwärmte von ihr, Albrecht Hähnel darf sie in den Armen halten: Die Zinnkanne der Waldheimer Leineweber-Innung. Sie stammt aus dem Jahr 1605 und ist das älteste Stück der am gestrigen Abend eröffneten Sonderausstellung "Zinn" im Museum im Waldheimer Kulturzentrum. Bis in die 60er Jahre hinein war die Kanne mit dem kleinen Zapfhahn im damaligen Waldheimer Heimatmuseum ausgestellt. Dann führte sie ihr Weg in das damalige Kreismuseum auf der Burg Mildenstein. Für die Ausstellung trat sie mit weiteren Zinngegenständen die Reise in die Stadt ihrer Herkunft an als Leihgabe für die Sonderausstellung. Wer da nun an wen was ausgeliehen hat die Waldheimer ihre Kanne an die Burg Mildenstein oder umgekehrt? diese Diskussion will Hähnel als Vorsitzender des Vereins der Kultur- und Heimatfreunde nicht führen: "Wie wir am Döbelner Riesenstiefel sehen, führen solche Debatten zu nichts. Das Burgmuseum Mildenstein stellte uns die Gefäße ohne Komplikationen zur Verfügung, genau wie uns andere Museen auch mit Exponaten unterstützten. Dafür meinen herzlichsten Dank." Löffel, Lampen, Maßbecher, Zierteller, Orgelpfeifen, Zinnsoldaten aber auch Zinnlitzen, die in einer Waldheimer Drahtzieherei gefertigt wurden, ist im Son- derausstellungsraum des Museum zu bewundern. Für weihnachtliches Flair sorgt ein Tannenbäumchen, Schwibbbögen und hölzerne Bergleute eine Erinnerung daran, dass der Zinnbergbau einst die sächsische Wirtschaft prägte. Lesen Sie bitte dazu den "Standpunkt"

Besser verwahrt


Wegen ein paar Blechbechern kein Porzellan zerschlagen nach der Devise baten die Waldheimer bei der Burg Mildenstein ganz in Ruhe um die 400 Jahre alte Zinnkanne ihrer Leineweber-Innung. Dennoch bewegte das Prachtstück die Gemüter einiger Waldheimer mehr, als es Albrecht Hähnel vom Verein der Kultur- und Heimatfreunde zugibt. Dass das Gefäß als Glanzstück einer Sonderausstellung präsentiert werden kann, ist zum Teil einer seiner besonderen Gaben zu verdanken: Seiner salbungsvoller Beschwichtigungstaktik gegenüber jenen, die die Kanne am liebsten von der Burg Mildenstein und damit vom Freistaat Sachsen zurück gefordert hätten oder unangemessen laut darüber nachdachten.

Mit der Kanne verhält es sich wie mit dem Döbelner Riesenstiefel: Vor Jahrzehnten ins Kreismuseum der Burg geschafft, müsste der Eigentümer heute sein Besitzrecht nachweisen, damit das Stück nicht in den Besitz des Freistaates fällt. Was den Döbelnern mit einer originalen Schenkungsurkunde gelang und erbärmlichen Zank heraufbeschwor ist im Falle der Waldheimer Zinngefäße schwieriger. Nicht alles, wo "Waldheim" drauf steht, gehört gleich der Kommune. An schriftlichen Belegen eines Eigentumsübergangs an die Stadt ist nichts Brauchbares vorhanden. Gegenüber den Döbelnern haben die Waldheimer einen Vorteil: Sie können Kannen und Becher fachgerecht verpacken und für die Ausstellung an die Zschopau bringen lassen. Warum also streiten? Werden die Prachtstücke nicht ausgestellt, sind sie im Übrigen besser auf der Burg Mildenstein aufgehoben. Dort werden sie fachgerecht gepflegt und verwahrt. Die Ausstellung in Waldheim ist hoffentlich ein Schlussstrich unter das laute Nachdenken über eine Rückforderung.

STEFFI ROBAK