DAZ vom 27.09.2006

Eine Frage der Ehre: Brot oder Brezel?


Bäckermeister Wilfried Hofmann spricht im gut besuchten Waldheimer Museum über die Geschichte seines Berufsstandes

(sro). Die Bäcker im Allgemeinen und die von Waldheim im Besonderen, das waren schon immer streitbare Leute. An diesem Charakterzug seines Berufsstandes ließ Wilfried Hofmann gestern im Kulturzentrum keine Zweifel aufkommen. In der Vortagsreihe "Bauer - Müller - Bäcker", die zur aktuellen Sonderausstellung im Museum gehört, gab Hofmann Einblick in die Waldheimer Geschichte seines Handwerks.

Dessen Spuren reichen bis in das Jahr 1600 zurück. Damals gab 'es am Waldheimer Markt nicht nur Kirche, Schule und Rathaus, sondern ein so genanntes Gemeindehaus. Dort sei die Brotbank angesiedelt gewesen. "Das Brot kam von den so genannten Platzbäckern. Erst später waren im Stadtgebiet die Stadtbäcker zugelassen. Die Platzbäcker genossen immer gewisse Privilegien, die ihnen der Stadtrat zugestand." Da sei der Streit absehbar gewesen, denn wer das Geschäft mit Brot und Brötchen, Kuchen oder Brezeln machte, das war damals eine kommunalpolitische Angelegenheit. Erst am 4. Oktober 1603, mit dem Erlass von Innungsstatuten und einschlägigen Handwerkerbriefen durch die damalige Kurfürstin Sophie von Sachsen, sollte etwas Ordnung in die Streiterei kommen. Richtig Ruhe gab es nie, stattdessen folgte 1628 der Erlass neuer Statuten, nach denen dann auch endlich die Stadtbäcker Kuchen und Brezeln backen durften. Das war vorher nur den Platzbäckern vorbehalten.

Nicht zuletzt aus der ewigen Streiterei ums liebe Brot erwuchs eine recht starke Bäcker-Innung. "Nach ihrem 325. Jubiläum am 30. September 1928 sind zwar keine Aktivitäten mehr. verzeichnet. Doch Bäcker, vor allem die als Handwerker tätigen, mussten sich jederzeit gegen die im eigenen Berufsstand aufgebaute Konkurrenz zur Wehr setzen, zur DDR Zeit zum Beispiel gegen den Druck von Konsum- und HO-Bäckereien oder gegen den Zwang zur Produktionsgenossenschaft Handwerk."

Sogar die Höhe von Lehrlingslöhnen sollte den Bäckern vorgeschrieben werden. Hofmann kann davon ein Lied singen, war er doch von 1967 bis in das Jahr 2000 als Obmann seiner Berufsgruppe in Waldheim tätig. Aus dem Fundus von Hofmann und der früheren Bäckerinnung stammen einige Exponate, die heute in der Sonderausstellung im Museum über den Berufsstand und seine Geschichte Auskunft geben. Wo Hofmann früher buk, befand sich im Übrigen früher die Gefängnisbäckerei: nämlich am Fuße der Schönberger Straße.