DAZ vom 02.04.2007

Ausstellung zeigt wechselvolle 151 jährige Geschichte der Kübler & Niethammer AG

Waldheim. Die Wirtschaft durchläuft Phasen des Auf und Abs. So auch die Unternehmen, die sie formen. Der wechselvollen Geschichte der 151 Jahre zählenden Kübler & Niethammer AG Kriebstein widmet sich nun eine Schau im Kulturzentrum Waldheim.

Die Papierfabrik in Kriebethal ist mit der Region fest verwurzelt und die Einwohner mit ihr. Bereits im 19. Jahrhundert setzte das Familienunternehmen Maßstäbe: Für die Mitarbeiter wurde ein Betriebskindergarten eingerichtet und Ferienplätze im Erzgebirge organisiert. Den Bau von Straßen, Bahnlinien und Schulen unterstützte die Firma. "Ein Engagement, das bahnbrechend war in der deutschen Geschichte", sagt Waldheims Bürgermeister Steffen Blech zur Eröffnung der Ausstellung, die der Kulturverein nach Waldheim geholt hat.

Heute hat die Kübler & Niethammer AG gerade eine Insolvenz überstanden, plant aber für dieses und das nächste Jahr Millioneninvestitionen. Das Soziale ist dabei nicht aus dem Blick geraten: "Wenn es die wirtschaftliche Lage erlaubt, hoffe ich, dem Kulturverein zu helfen", sagt Günther Niethammer, Urenkel des Firmengründers Albert Niethammer.

Dieser pachtete 1856 mit seinem Freund Fritz Kübler die Papierfabrik in Kriebethal und baute sie aus. Nach dem frühen Tod von Kübler erhielt Niethammer seinen Namen im Firmentitel. Der Verdienst des Freundes sollte gewahrt bleiben - bis heute und über alle Auf und Abs hinweg, die die Ausstellung detailliert und mit vielen Fotos nachzeichnet.

"Was diese Firma erlitten hat, ist nicht normal", sagt Vorstandsvorsitzender Klaus Ziege-Bollinger. Sieben Plagen hat er gezählt: Wirtschaftskrisen, zwei Kriege, die Enteignung, die Flut 2002 und die Insolvenz. "Wir warten nun nicht auf die achte Plage, sondern machen weiter", führt er aus. Neue Maschinen für 3,5 Millionen Euro werden im April installiert. Ein neues Kapitel in der Geschichte von Kübler & Niethammer beginnt. Bis 28. Oktober aber können Interessierte über die Vergangenheit der Firma lesen. Das Sächsische Wirtschaftsarchiv hat seit 1996 rund 2000 Akten des Unternehmens gesichtet, erzählt Archivarin Veronique Töpel. Aus dem Material wurde die Schau zusammengestellt, die 2006 bereits in der Leipziger IHK zu sehen war. Nächstes Jahr soll sie dann dorthin ziehen, wo sie hingehört: In die Papierfabrik.

Ines Rutschmann