DAZ vom 06.09.2007

Telegrafendrähte in der Turmlaterne


Waldheim. Die Wetterfahne zeigt die Jahreszahl 1894. In diesem Jahr wurde das Haus in der unteren Bahnhofstraße von Waldheim errichtet, das heute neben mehreren Wohnungen die Volks- und Raiffeisenbank Döbeln beherbergt. Zum Tag des offenen Denkmals können sich die Besucher am Sonntag in dem Gebäude umsehen.

Wer weiß eigentlich, dass in der Turmlaterne auf dem Dachfirst des Gebäudes einst die Nachrichten für das erste Telegrafenamt Waldheims eingingen? Damals stand das Postgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite noch gar nicht. "Dieser historische Hintergrund und das auffällige Türmchen inspirierte uns dazu, dieses Gebäude für den Tag des offenen Denkmals auszuwählen", so Gerhard Gugisch von der Interessengemeinschaft Denkmalpflege Waldheim. "Wer es sich zutraut, kann mit auf das Türmchen steigen." Ein Spaziergang sei das nicht, denn als Aussichtsturm war das Türmchen nie gedacht. "Dennoch bietet sich von dort eine schöne Aussicht über Waldheim", weiß Gugisch. Die Mitglieder der IG Denkmalpflege nutzen den diesjährigen Tag des offenen Denkmals, um interessierten Bürgern ein positives Beispiel der denkmalschutzgerechten Sanierung eines prägnanten Waldheimer Gebäudes nahe zu bringen. "Das Engagement, das die Eigentümer dafür an den Tag legten, kann nicht hoch genug gewürdigt werden", meint Gugisch. Er verweist darauf, dass sich das 1894 im Auftrag des Fabrikanten Ernst Rockhausen erbaute Haus heute noch im Besitz von Rockhausens Erben befindet. Seinerzeit war das Gebäude eins der ersten, mit deren Bau die Ausdehnung Waldheims auf die Westseite der Zschopau begann. Bis dato hatte sich das städtische Leben ausschließlich auf der Ostseite abgespielt. Gugisch: "Damit ist das Gebäude ein Zeitzeuge, wie sich die industrielle Revolution in einer Stadtentwicklung Waldheims niederschlug." Wer sich das Gebäude von innen ansehen möchte, kann sich am Sonntag zwischen 9 und 13 Uhr einer der von den Denkmalschützern angebotenen Führungen anschließen.

Steffi Robak