DAZ vom 11.04.2007

Promi-Vermarktung: Ein hartes Brot


Waldheim. Am 15. April blickt die Stadt Waldheim, Geburtsstadt des Bildhauers Georg Kolbe, auf den 130. Geburtstag ihres Ehrenbürgers zurück. Ein Anlass, den die Stadt mit einer Ehrung begehen wollte, zu der auch Kolbes Enkelin, Freifrau Maria von Tiesenhausen, die weite Anreise aus Kanada geplant hatte. Doch der harte kanadische Winter macht allen einen Strich durch die Rechnung.

"Das Haus von Frau von Tiesenhausen ist beschädigt, darum muss sie sich erst einmal kümmern", so Kristina Schütze vom Kulturamt und Leiterin des städtischen Museums. Eine Feier ohne die Erbin - nur halb so schön. Also muss der Termin verschoben werden. Da trifft es sich, dass bereits im Herbst ein weiteres wichtiges Datum lockt: Am 20. November des Jahres 1947 starb Kolbe. "Daher haben wir die Feier auf seinen 60. Todestag verlegt, um ihn gemeinsam mit seinem Geburtstag zu begehen." Und gemeinsam mit Maria von Tiesenhausen.

Von Kolbe, dem in Waldheim geborenen Künstler, zehrt das Museum. Vor allem durch einige Skulpturen, die seine Enkelin dem Haus vermacht hat. Das zweite künstlerische Aushängeschild Waldheims, Irmgard Biernath, hat der Kommune ihren Nachlass höchstselbst und noch zu Lebzeiten in Form einer Stiftung übereignet. Im Herbst kam das Erbe der Biernath-Schülerin Ruth Leibnitz dazu. "Frau Leibnitz lebt noch, brachte aber schon einige Arbeiten in die Stiftung ein", erzählt Kristina Schütze.

Zwischen 800 und 900 Besucher jährlich locken diese Namen bereits ins Museum. Doch nicht nur dort finden sich ihre Werke. Kolbes "Große Knieende", diverse Skulpturen auf dem Friedhof, Irmgard Biernaths sogenanntes "Pumpenbübchen" in der Schloßstraße - Waldheims Künstler sind präsent. "Ich denke, es ist eine Prestigefrage, dass sich Waldheim mit diesen Namen auch schmückt", meint Kristina Schütze. "Und wir profitieren von unserem engen Kontakt zu Frau von Tiesenhausen. Es ist immer wichtig, einen Mäzen zu haben." Kristina Schütze weiß: So berühmt einige Waldheimer auch waren, die Übernachtungszahlen im Zschopautal steigen davon kaum. "Wir haben hier vor allem einen Geschäftstourismus", schätzt sie die Lage ein. "Für mehr fehlen die Freizeitangebote, vor allem Abends."

Kasse machen mit Prominenz? Was dabei nicht fehlt, ist die Prominenz. Denn bei Kolbe und Biernath ist noch lange nicht Schluss. Beim Gang über die Museumstreppen blickt den Besucher mancher bedeutende Waldheimer an, von dem viele gar nichts w

wissen. "Wir haben nach ihnen gegraben", blickt Kristina Schütze zurück, die seit 1990 in der Stadtverwaltung arbeitet. "Es gibt in jeder Stadt eine ansehnliche Prominentenzahl, man muss nur danach suchen." Gemeinsam mit dem Heimatverein trug die Stadt Daten zusammen, Biographien wurden geschrieben, Ausstellungsstücke gesammelt.

Eine Reihe illustrer Namen kam zusammen: Ernst Lothar Hoffmann alias Lama Anagarika Govinda etwa war einer

der bekanntesten deutschen Interpreten des Buddhismus. Johann Gotthelf Fischer von Waldheim, Freund Alexander von Humboldts, gehörte im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten europäischen Wissenschaftlern. Die Reihe ließe sich fortsetzen, entsprechend dem Rang solcher Persönlichkeiten könnte die Stadt sich touristisch vermarkten. All diese Namen erzählen nicht nur aus ihrem eigenen Leben, sondern immer auch ein Stück Stadtgeschichte. Ein kleines Stück Heimatkunde hängt da im Museum. Manchmal würde man sie gerne fragen, was sie von alledem halten. Doch die Promis, sie schweigen in ihren Rahmen.

Einfach gestaltet sich die Vermarktung keinesfalls. "Anagarika Govinda etwa kennen nicht viele Menschen. Und auch Fischer von Waldheim ist nicht übermäßig bekannt", so Kristina Schütze. Dabei stecken hinter den Namen spannende Biographien. "Wir würden uns freuen, wenn mehr Schulklassen zu uns kämen. Für die hätten wir ein gutes heimatkundliches Angebot."

Für einige Vorhaben fehlt schlicht das Personal. "Zu Beginn waren wir zu fünft", blickt Kristina Schütze zurück. "Heute kümmere ich mich alleine um die Kultur, städtische Veranstaltungen, das Museum und einiges mehr." Für das kleine Haus, in dem auch die Bibliothek untergebracht ist, hat Schütze jährlich einen Etat von 95 000 Euro. Dazu kommt eine Förderung des Kulturraums in Höhe von 9000 Euro. Zwei Ein-Euro-Jobber unterstützen sie bei ihrer Arbeit. Früher gab es noch eine ABM-Stelle, die half, den Museumsfundus zu katalogisieren, die ist jedoch lange ausgelaufen.

"Wir sind zwar ein städtischer Betrieb, eigentlich aber nur eine Außenstelle", meint Kristina Schütze. Dementsprechend hat die Unterstützung von Seiten der Stadt Grenzen. Dabei hat die gelernte Industriekauffrau Ideen genug. "Ein realistisches und wichtiges Vorhaben wäre etwa ein Faltblatt über das Museum", meint Schütze. "Und Träume hat man natürlich auch, mehr Platz für das Museum etwa." Doch seit März ist Kristina Schütze in Altersteilzeit, zwei Jahre arbeitet sie noch, dann folgt die sogenannte Freistellungsphase. Wie es danach weitergeht, darüber kann sie nur spekulieren. "Ich hoffe, dass jemand meinen Job übernimmt und das Ganze nicht einfach so zu Ende geht."

Florian Blaschke