DAZ vom 16.05.2007

Heute jährt sich der Geburtstag des verdienten Waldheimer Walter Haase zum 120. Mal

Waldheim. Die Zschopaustädter könnten sich glücklich schätzen, wenn sie heute noch so einen engagierten Mitbürger wie Walter Haase hätten. Es war vor allem sein ehrenamtlicher Einsatz, womit der nur 60 Jahre alt gewordene Buchhändler seine Stadt nach vorn brachte. Im Kulturzentrum ehrte gestern Hans-Peter Zacharias vom Verein der Kultur- und Heimatfreunde Walter Haases Vermächtnis.

Heute jährt sich Haases Geburtstag zum 120. Mal. Am 15. Januar dieses Jahres war sein Todestag 60 Jahre her. Alt geworden ist er nicht, der umtriebige Buchhändler, Heimat- und Naturfreund sowie Vorsitzende des Verschönerungsvereins. Und obwohl er nur 35 Jahre in der Zschopaustadt lebte, bleibt er unvergessen. Hans-Peter Zacharias, der bei seinen gestrigen Ausführungen von den Mittelschülern Anja Pitzing und Christian Friebel unterstützt wurde, hat erstaunliches über den Mann in Erfahrung gebracht. So war es Walter Haase gewesen, der während der Blüte seiner Aktivitäten in den 30er Jahren veranlasste, dass die Aussichtspunkte entlang der Waldheimer Höhen wieder auf Vordermann gebracht wurden, weil dort vieles unter mutwilliger Zerstörung gelitten hatte. "Genau wie heute", dachte da mancher Zuhörer laut und man kann sich durchaus fragen, ob der abwertende Spruch von der "Jugend heutzutage" nicht auch schon zu Walter Haases Zeiten seine Berechtigung hatte. Dieser hat nicht nur geredet, sondern mit allerlei Aktivitäten dafür gesorgt, dass sich die Waldheimer in ihrer Stadt wohl fühlen. Wie Zacharias ausführt, bot der Buchhändler in seinem Geschäft allein 25 kostenlose Dienstleistungen an, darunter einige, die durchaus zeit- und kraftraubend für ihn selbst waren. Dazu gehörten ein Lesezirkel und eine Leihbücherei, die Auskunftsstelle und die Kassenstelle des Kulturbundes, eine Kasse für die Theaterlotterie, die öffentliche Schreibstelle für kulturelle Angelegenheiten, eine Auskunftsstelle für Kunstgewerbler, Maler und Grafiker. Plakate und Anschläge aller Art hat Walter Haase sowohl selbst entworfen und auch in Umlauf gebracht. Seine Buchhandlung war Versammlungslokal sowie Streitschlichtungsstelle und außerdem bekannt für Haases fundierte heimatkundliche Ausstellungen. In einem Brief an seine Schwägerin Marianna Haase, die heute noch in Waldheim lebt, schrieb der durchaus gestresste Mann: "Wer nur seinem Beruf nachgeht, wird das nicht begreifen." Und auch aus der Zuhörerschaft raunte es gestern Abend halb anerkennend, halb bedauernd: "Da ist es kein Wunder, dass der Mann nicht reich geworden ist." Legendär müssen die von Haase selbst gestalteten Schaufenster in der Stadt gewesen sein, zeitweise bis zu 130 an der Zahl. Eines Tages drängelten sich vor einer der Scheiben so viele Menschen, dass diese in Scherben fiel.

Hans-Peter Zacharias wusste die zahlreichen Daten aus dem facettenreichen Leben eines interessanten Waldheimer Sohnes so in seinen Vortrag einzubauen, dass vor dem geistigen Auge des Zuhörers eine Person zum Leben erwachte, der noch heute alle Hochachtung gebührt. Vor der gestrigen Veranstaltung hatten sich Vertreter des Heimatvereines und des Verschönerungsvereines auf dem Waldheimer Friedhof an Walter Haases Grab eingefunden, um ihn mit einem niedergelegten Blumengebinde zu ehren. Steffi Robak