DAZ vom 24.04.2007

Damit Geschichte nicht verloren geht


Waldheim (blu). "Allein in den vergangenen 15 Jahren hat sich so vieles in Waldheim rasant verändert, dass dabei wertvolle Informationen, Bilder und Eindrücke verloren gehen könnten. Dagegen kann man doch etwas unternehmen", formuliert Jürgen Reichelt sein Anliegen. Er betreut im Alleingang die IG Heimatgeschichte. Am Sonnabend luden er und Albrecht Hähnel, Vereinsvorsitzender der Kultur- und Heimatfreunde, zum "Historischen Stammtisch" ins Kulturzentrum Waldheim ein.

Insgesamt acht Personen fanden sich zu diesem ersten Treffen ein. Reichelt hatte dafür schon sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail einen dicken Ordner mit historischen Fotos von Waldheim und Umgebung zusammengestellt. "Wir möchten so viel wie möglich von der Stadtgeschichte Waldheims für die künftige Generation bewahren. Dazu wollen wir Menschen, die sich schon lange mit der Historie unserer Gegend beschäftigen und viel gesammelt haben, und alle an Geschichte interessierten Bürger an einem Tisch zusammenbringen, Material zusammentragen und für die Zukunft bewahren", sagte Reichelt. Der Hefter "Von der Diedenmühle bis zur Kläranlage Diedenhain" sei als Nebenprodukt bei anderen Recherchen entstanden.

An einer umfangreichen Arbeitsmappe zum Thema" 150 Jahre Sport in Waldheim" arbeitet Reichelt ebenfalls schon seit zwei Jahren. "Aus dieser Mappe soll 2008 zum sportlichen Jubiläum eine Festschrift entstehen", erklärte Lutz Schmidt, den als stellvertretenden Vorsitzenden von Aufbau Waldheim besonders die Sportgeschichte interessierte. Gunter Zetzsche führte sein Interesse für das Brauereiwesen der Stadt Waldheim an den Stammtisch. "Waldheim hatte einst sogar drei Brauereien, die allererste Brauerei besaß das Schloss, auf dem heutigen JVA Gelände." Ein originales Exemplar vom "Waldheimer Tageblatt" aus dem Jahr 1939 hatte Hans-Tilo Steinbach mitgebracht. Er zitierte daraus "Heimatgeschichtliche Erinnerungen vom Heimatfest 1904" und belegte mit der Broschüre "Weltplätze des Handels und der Industrie", dass Waldheim schon immer eine wirtschaftliche Größe war. "Schon heute erinnern sich nur noch die älteren Bürger zum Beispiel an die Gewerbeschule Georg Kolbe oder an die Lutherschule, die viele Waldheimer als Schüler besucht haben. Wer wird sich in fünfzig oder hundert Jahren noch erinnern?", sinnierte Steinbach und unterstrich damit das Anliegen des historischen Stammtisches.

"Genauso wird es uns mit den schönen oder historisch wertvollen Wohnhäusern und Betriebsgebäuden gehen, die schon der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind und noch abgerissen werden", ergänzte Ekkehart Schirmer in der Runde. "Ich bin in Waldheim geboren und finde alles, was mit meiner Heimatstadt zusammenhängt, einfach interessant. Ab einem bestimmten Alter fängt man wahrscheinlich an, sich mit der Vorgeschichte zu beschäftigen." Harry Schirmag, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins und Günter Möbius, der Ortschronist von Kriebethal, ergänzten die Runde am Stammtisch und sichteten das mitgebrachte Material.