DAZ 12.03.2012

Das Skandal-Plakat von Florena

Foto: Sebastian Fink

Foto: Sebastian Fink

Museumsmitarbeiter Rainer Stumpf und Chef Falk Hartig vor dem Florena-Plakat (oben r.), dass in den 1970ern für Aufsehen sorgte.


Waldheim. Sitzen wie einst Honeckers Gäste, den roten Stern vom Waldheimer Rathausdach bestaunen oder das Skandalplakat aus der Florena-Werbung der 1970er Jahre sehen? Das alles geht seit Sonnabend im Waldheimer Stadtmuseum. "Stöbern in der Stadtgeschichte" heißt die Ausstellung, die bis zum Umzug des Hauses in die Bahnhofstraße 2 (die DAZ berichtete) zu sehen sein soll.
Viele neue Ausstellungsstücke haben Kulturamts- und Museumsleiter Falk Hartig und seine Mitarbeiter in den vergangenen eineinhalb Jahren in die neue Schau eingearbeitet. Bekannte Stücke erscheinen in neuem Licht. "Für die Fundstücke aus dem Frühmittelalter, die zum Teil von unseren Grundschülern am Kellerberg in einem Archäologieprojekt gefunden wurden, haben wir neue Vitrinen gebaut", sagt Falk Hartig am Beginn der exklusiven Führung für die DAZ kurz vor Ausstellungseröffnung.
800 Jahre Stadtgeschichte werden gezeigt. Hartig hat bewusst auf viele Erklärungstexte oder zu viel Ordnung in den Schaukästen verzichtet. "Wir wollen die Besucher wirklich zum Stöbern einladen. Die Ausstellung ist für unsere Waldheimer gedacht, die sich in den Exponaten auch wiederfinden sollen", erklärt er.
Besondere Höhepunkte finden sich im Abschnitt über die Industrialisierung der Zschopaustadt. So ist Adolph Heinrich August Bergmann und Florena ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort findet sich das Original-Patent von Bergmanns Zahnseife - der Grundstein für die Kosmetikindustrie in Waldheim. Über der Florena-Vitrine mit allerlei Seifen in variierten Formen hängt ein Plakat, das eine nackte Blondine zeigt, die sich auf einem Bild räkelt. "Das Bild war als Werbung für Florena in der Zeitschrift ,Sibylle' geplant und erregte viel Aufsehen im Politbüro", erzählt Hartig. "Die Waldheimer konnten aber damit überzeugen, dass die werktätige Frau von damals in ihrer Freizeit gern Frau sein möchte, auch mit erotischem Anreiz. So wurde verhindert, dass die fertige Ausgabe eingestampft wurde."
Wer mehr zur Waldheimer Geschichte erfahren will, kann die Ausstellung dienstags und donnerstags 9 bis 12 und 13 bis 18 Uhr, mittwochs 9 bis 12 Uhr, freitags 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr und am Wochenende jeweils 9.30 bis 11.30 Uhr ansehen. Führungen gibt es nach Anmeldung ab zehn Personen. Sebastian Fink