DA vom 06.01.2012

Stadtgeschichte aufgepeppt


Die Besucher des Waldheimer Museums sollen in der Stadtgeschichte stöbern. So steht es jedenfalls an der Eingangstür. Als erstes entdecken die Gäste in einem neuen Diorama Szenen aus der Entwicklung der Stadt und der Region, die mit Zinnfiguren nachgestellt sind. Dazu gehören zum Beispiel Funde aus der Mittel- und Früh-Steinzeit, die Nachbildung des mittelalterlichen Treibens auf der Burg Kriebstein im 15. Jahrhundert und auf dem Niedermarkt in Waldheim sowie eine Willkommensszene im Zucht-, Armen- und Waisenhaus aus dem Jahr 1716. "Die Dioramen sind in einer Höhe angebracht, in der sie auch Kinder gut einsehen können", erklärt Falk Hartig, Leiter des Kulturamtes.

In dem Raum befinden sich außerdem Vitrinen und Podeste mit Stücken, die die Zeit von 800 vor Christus bis zur Einweihung des Rathauses 1902 widerspiegeln. "Viele Themen sind nur in Ansätzen angerissen. Teilweise vertritt ein Exponat eine ganze Epoche", meint Hartig. So steht ein Gemälde von der Salzstraße für die Entwicklung der Handelswege in der Region. Ein Stück einer Holzwasserleitung, das bei Arbeiten in der Schloßstraße gefunden wurde, repräsentiert das Mittelalter. Die Leitung wurde vermutlich vor 1860 gebaut.

Einige Ausstellungsstücke waren noch nie öffentlich zu sehen. Dazu gehören ein Pestheiliger aus dem Ende des 14. Jahrhunderts und ein Armlehnenstuhl aus der neuen Stadtkirche.

Brigadefotos gesucht

"Ab Mitte diesen Jahres können wir die komplette Stadtgeschichte zeigen", verspricht Falk Hartig. Derzeit arbeitet er mit seinen Mitarbeitern und den Mitgliedern der IG Museum des Heimatvereins am zweiten Teil. Der beginnt im 19. Jahrhundert und endet mit der 20-jährigen Städtepartnerschaft von Waldheim mit Landsberg am Lech. Eine große Rolle spielt dabei die Industrialisierung. Es geht um die Erfindung der Zahnseide im Jahr 1852 und die daraus entstandene Kosmetikindustrie, die Sitzmöbelwerke und die Firma Rockhausen. "Von den Firmen, aber auch von den Waldheimer Stumpen suchen wir noch Brigadefotos und Bilder aus der Produktion", so der Kulturamtsleiter. Im zweiten Teil gibt es aber auch Hinweise auf die SED-Diktatur. In Auszügen werden das Vereinsleben und die Waldheimer Persönlichkeiten behandelt.

Der Neugestaltung der Dauerausstellung sind auch einige bisherige Exponate "zum Opfer gefallen". Das Höhenrelief, das Ende der 1930er Jahre entstanden ist, wird künftig im Turmarchiv des Rathauses gezeigt. Dort sind auch andere Dinge zu sehen, die in der Turmkugel gefunden wurden.

Im Museum sind die Exponate jetzt noch ausführlicher beschriftet. "Wir wollen weg vom Führungsmuseum", so Hartig. Die Besucher sollen sich die Inhalte selbst erschließen. Ständige Führungen sind aus gesundheitlichen Gründen der Mitglieder der IG Museum nicht mehr drin, aber auf Wunsch für Gruppen noch möglich.