DAZ 13.12.2013

Foto: Wolfgang Sens

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Jürgen Reichelt (links) und Karl-Heinz Teichert sind die Autoren des 34. Waldheimer Heimatblattes über "Alte Waldheimer Kneipen". Stundenlang mussten sie dafür im Stadtarchiv wühlen und mit einer Menge Leuten sprechen. Herausgekommen sind etwa 70 Seiten über 37 Kneipen, die 1936 in der Zschopaustadt existierten.

Karl-Heinz Teichert und Jürgen Reichelt schreiben gemeinsam 34. Waldheimer Heimatblatt / Alte Kneipen der Zschopaustadt beleuchtet

Waldheim. Karl-Heinz Teichert kennt man in Waldheim. Und Karl-Heinz Teichert kennt Waldheim. Bei seinem Hobby, dem Schreiben von Waldheims Heimatblättern ist ihm das hier und da ziemlich nützlich. Denn Menschen erzählen Geschichten. Und wenn im Stadtarchiv nichts zu den ausgewählte Themen zu finden ist, ist Teichert darauf angewiesen, Sachen erzählt zu bekommen. "Zumindest öffnet sich die Tür, wenn ich klingle", scherzt der ehemalige Bürgermeister der Zschopaustadt. Gerade hat er, zusammen mit Jürgen Reichelt, das mittlerweile 34. Heft fertig gestellt. "Alte Waldheimer Kneipen" lautet das Thema. Und Karl-Heinz Teichert legt gleich mit den Fakten los: Stand der Recherche ist das Jahr 1936. Damals gab es 37 Kneipen. Acht davon wurden weggerissen, fünf stehen noch als Ruinen und haben in etwa das gleiche Schicksal zu erwarten. Acht von den einst 37 Kneipen existieren heute noch.
Zu Beginn jeder Recherche für eine neues Waldheimer Heimatblatt durchforstet Karl-Heinz Teichert stundenlang Archive und wühlt in alten Dokumenten. Je nach Thema wird er dort mehr oder weniger fündig. Der nächste Weg führt ihn durch die Stadt. Mit Leuten sprechen, die älter sind als er (Teichert ist 74 Jahre) und im besten Fall aus der zu recherchierenden Zeit kommen. "Bei der Kneipen-Sache habe ich mit Kindern von ehemaligen Wirten gesprochen und so vieles erfahren können. Die gaben mir dann auch altes Bildmaterial", so Teichert. Etwa 80 Prozent eines Heimatblattes bestehen aus Text. Die anderen 20 Prozent sind Bildmaterial. Knapp zwei Jahre lang haben Karl-Heinz Teichert und Jürgen Reichelt an Heft Nr. 34 gesessen. Zum Weihnachtsmarkt wurden die knapp 500 Exemplare zum Verkauf angeboten. Reaktionen bekommt Teichert immer wieder auf seine Arbeit. "Manche loben mich, andere korrigieren."
Während der Entstehung des aktuellen Heftes haben sich Teichert und Reichelt in die anfallenden Aufgaben rein geteilt. Beide Männer sind im Heimatverein und engagieren sich jahrelang ehrenamtlich. Ihr Lohn für die zeitintensive Erstellung der Heimatblätter? "Jeder Autor bekommt Freiexemplare", so Teichert. "Jürgen und ich haben jeder 15 Stück bekommen."
Pro Jahr erscheinen mal ein, mal zwei Heimatblätter. Je nachdem welche Themen ausgesucht worden. "Auf die alten Kneipen in Waldheim sind wir durch unsere Ausstellung vom Heimatverein gekommen. Dort haben wir die Informationen präsentiert. Als es dann wieder ans Wegräumen ging, meinten die Leute, wir sollen das für die Nachwelt festhalten", erinnert sich Karl-Heinz Teichert.
Grundsätzlich spielt der Zufall eine entscheidende Rolle bei der aufwendigen Recherche. "Manchmal muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um die wichtige Information zu erfahren." Seit 1995 werkelt Teichert an verschiedenen Heimatblättern mit. Das 35. Heft, verrät Teichert, steht schon in den Startlöchern. Dabei beschäftigte sich der ehemalige Waldheimer Bürgermeister mit dem Thema "Alte Städtische Werke", bei dem er Strom-, Gas- und Wasserwerke Waldheims beleuchtet worden. In der Druckerei sind sie schon. Ab kommendem Jahr wird es sie dann wieder zu kaufen geben.
Stephanie Jankowski