DAZ 19.12.2013

Wenn ein ganzer Haufen Frauen zusammen sitzt, wird viel geschnattert. Und nebenbei klöppeln die Damen eifrig an ihren kleinen Kunststücken.
Waldheim. Öde, leere Schaufenster in der Stadt Waldheim? Einen Beitrag dagegen haben die Frauen der Interessengemeinschaft Klöppeln jetzt geleistet. Sie schmückten das leerstehende Schaufenster an der Waldheimer Schlossstraße mit eigens geklöppelten Sachen, um dem Stadtbild damit etwas gutes zu tun. Noch den ganzen Januar sind die Exponate der Frauen zu sehen. Danach ist die nächste Interessengemeinschaft dran.
Eine der Klöpplerinnen ist Rosemarie Jäckel. Sie hat den Hut auf, wenn es um die Organisation geht. 19 Frauen treffen sich aller zwei Wochen zum Plausch - nebenbei wird geklöppelt. Oder auch andersherum. Die Interessengemeinschaft ist eine von elf Untervereinen des Kultur- und Heimatvereins Waldheim. "Unsere Klöppeltruppe ist nach der Wende entstanden - etwa 1991", erinnert sich Rosemarie Jäckel. Zu DDR-Zeiten war sie im Kulturbund klöppeln. "Ein paar Frauen sind mitgekommen, als es die Interessengemeinschaft gab." Seitdem wächst die Zahl der Mitglieder stetig. Vorrangig ältere Damen klöppeln dann zwei Stunden zusammen - immer dienstags ab 15.30 Uhr im Kulturzentrum an der Gartenstraße.
Zum Klöppeln braucht es vor allem eins: Geduld. Und davon eine ganze Menge. "Wer nicht fingerfertig und geduldig ist, wird kein Fan vom Klöppeln", erklärt die 74-Jährige. Die Frauen sitzen dann mit ihren Klöppelsäcken in der Runde und werkeln an ihren kleinen Kunstwerken. Nach Vorlage wird ein Stück gefertigt. Mit unzähligen Stecknadeln, Nähgarn und einer Menge Holzstöckchen, sogenannten Klöppeln, bewaffnet. Zur Zeit fertigen die Damen vor allem weihnachtlichen Baumschmuck in Form von Anhängern. Je nach Größe braucht man dazu gut und gerne zwei, drei Stunden.
Rosemarie Jäckel klöppelt auch zu Hause viel. Abends vorm Fernseher. "Aber einen Film kann man dabei nicht gucken. Da verpasst man alles", sagt sie. Klöppeln braucht Konzentration. Eine Musiksendung nebenher dudeln lassen, das funktioniert. Und wenn so viele Frauen auf einem Haufen zusammen sitzen, dann wird da natürlich auch wild geschnattert. "Wir freuen uns immer sehr über neue Leute. Wer mal vorbei schauen möchte, kann das gerne tun." Eine Grundausstattung für das Klöppeln ist nicht ganz billig: 150 Euro sind da am Anfang erst einmal einzuplanen. "Wir geben unsere Erfahrung weiter, auch was das Material betrifft", sagt die Waldheimerin. Gerade klöppelt sie an kleinen Weihnachtsgeschenken für die Familie. In ihrem Fenster steht ein Schwibbogen mit geklöppelter Motiv. "An dem habe ich ganze 35 Stunden gesessen." Mit ganz viel Geduld.

Stephanie Jankowski