DA 20.03.2015

Ausstellung mit Aha-Effekt

Foto: Dietmar Thomas

Foto: Dietmar Thomas


"Damit habe ich auch gespielt" oder "Das kenne ich", sind die Reaktionen der ersten Besucher der neuen Sonderausstellung im Waldheimer Kulturzentrum, die gestern eröffnet wurde. In dieser werden rund 50 Spiele aus mehr als 200 Jahren Geschichte gezeigt. Die Sammlung ist eine Leihgabe des Spielemuseums in Chemnitz. "Die Ausstellung soll die Betrachter anregen, mal wieder mit anderen gemeinsam zu spielen und nicht nur vorm Computer oder Fernseher zu sitzen", sagt die stellvertretende Kulturamtsleiterin Barbara Hengst.

Die Ausstellung ist in vier Kategorien gegliedert. Die Umfangreichste ist die, die die Fähigkeiten und Fertigkeiten fördert. Dazu gehören Wort- und andere Legespiele in verschiedenen Formen, Farben und Materialien. Das Bekannteste ist aber das Mensch-ärgere-Dich-nicht. "Das ist in Indien entstanden", so Barbara Hengst. Das ursprüngliche "Brett" ist ein gewebtes Kreuz, das die vier Himmelsrichtungen aus der hinduistischen Lehre darstellt. Die beiden sich gegenübersitzenden Spieler spielten zusammen und gewürfelt wurde mit Muscheln. Einen Engländer, der Indien besuchte, faszinierte das Spiel. Er brachte es mit nach Europa, veränderte es aber, weil er die hinduistische Lehre nicht übernehmen konnte. Im 19. Jahrhundert hielt das Mensch-ärgere-Dich-nicht in Deutschland Einzug. "Ein Münchner änderte die Regeln, die von da an eine gewisse Aggressivität hatten: Würfeln, Schlagen, Gewinnen", erklärt die stellvertretende Kulturamtsleiterin.

Gewürfelt wird bei vielen Spielen. Es gibt mehr als 300 Arten von Würfeln mit Zahlen, Zeichen, Buchstaben und Farben. Einige sind im Waldheimer Museum ausgestellt. Darunter ist einer mit etwa 50 Feldern.

Schulen für ein Brettspiel

Die Spirallaufspiele sind die zweite Kategorie. Bei denen müssen die Spieler mit Figuren eine gewisse Strecke absolvieren und dabei meist noch Aufgaben lösen.

Als Strategiespiele sind in Deutschland vor allem Schach, Mühle, Halma und Dame bekannt. "Aber das am meisten auf der Welt gespielte Spiel soll Go-Bang sein", meint Barbara Hengst. In China entwickelt, kam es über Korea nach Japan. Es wird auf 19 mal 19 Schnittpunkten eines Go-Brettes gespielt. Ziel ist es, eine ununterbrochene Reihe von fünf Spielsteinen zu erhalten. In Japan durfte Go-Bang nur von Aristokraten und Samurai gespielt werden. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts wurden sogar Go-Schulen gegründet. "Im Vordergrund stand nicht das Siegen. Es war ein elegantes Spiel", so Barbara Hengst.

Abgerundet wird die Schau durch gemischte Spiele. Zu denen gehören Kartenspiele, die die feinen Damen bei ihren Kaffeekränzchen spielten, ebenso wie Monopoly oder Die Siedler von Catan.

Nur anschauen dürfen die Besucher ein persisches Schachspiel aus Elfenbein von 1880 und einen Minischachtisch, der aus einer Puppenstube zu stammen scheint. Aber die Gäste können auch selbst spielen. Dazu gibt es mitten in der Ausstellung Tische mit verschiedenen Angeboten.

Die Spiele der Welt sind vom 20. März bis zum 14. Juni während der Öffnungszeiten im Waldheimer Museum an der Gartenstraße 42 zu sehen. Nach Anmeldung unter Tel. 034327 57234 ist ein Besuch auch außerhalb dieser Zeiten möglich.

Von Cathrin Reichelt